Kindheitstraum: Zirkusladen

Regenbögen dürften neidisch werden, wenn sie in die farbenfrohe Spielewelt von Peter Schlauch eintreten könnten. Eigentlich ist Peter Schlauch Sozialarbeiter und diese Ader kommt bei ihm auch immer wieder durch. Seinen Laden sieht er als sozialen Knotenpunkt, wo jeder jeden kennt. Kinder kommen zum Spielen her, Rentner zum „Boxenstopp“ mit dem Rollator, wie er selbst sagt. In Schlauchs Welt ist alles bunt, darf ausprobiert werden und macht Spaß. Einräder, Hula-Hoop-Reifen, Pois (Bänder mit einem kleinen Gewicht, die durch die Luft gewedelt werden), Jonglierkegel und Diabolos nehmen einen Großteil der Verkaufsfläche und des Lagers ein. „Wie viele Artikel ich im Angebot habe, weiß ich gar nicht genau“, sagt er lächelnd. Es kommen auch immer neue dazu.

Verkaufen, Umbauen, selber machen

Denn Schlauch verkauft nicht nur und baut um, sondern er entwickelt auch selbst Produkte in seiner kleinen Werkstatt. Gerade hat er einen viereckigen Hula Hoop fertig gestellt – mit Leuchteffekten im Dunkeln. Seine Kundschaft ist ebenso bunt gemischt wie sein Sortiment: Eltern, die Geschenke für ihre Kinder suchen, Erwachsene, die anderen Erwachsenen mal etwas Außergewöhnliches schenken wollen, aber auch Profi-Artisten.

Einer, der besonders fleißig mit dem Diabolo übt, ist Leon. Geschickt wirft er das sanduhrförmige Spielzeug über sein rechtes Bein, fängt es mit einer Schnur zwischen zwei Holzstäben wieder auf und lässt das Diabolo gleich wieder in die Luft schnellen. Der 13-Jährige wohnt im Nachbarhaus und ist in den Ferien fast jeden Tag in dem kleinen Zirkusladen. „Peter ist immer für mich da und ich kann jederzeit herkommen“, sagt er. Und mit seinen kleinen Showeinlagen beeindruckt er die Passanten. Diabolospielen und Einradfahren sind auch schon lange Schlauchs Hobby. Vor einigen Jahren hat er seinen Job als Sozialarbeiter aufgegeben und sich ganz der Zirkuswelt gewidmet. „Ich mag am Zirkus, dass es für jeden Platz gibt“, meint er.

Zirkuszauber zum Anfassen

Im Trainingsraum im ersten Stock dürfen die Produkte ausprobiert werden. „Manchmal bleiben Kunden da auch zwei Stunden“, erzählt Mitarbeiterin Adriana. Wer einmal vom Zirkuszauber gepackt wird, kommt so schnell nicht mehr davon los. Auch sie kam eher zufällig zu dem Job im Zirkusladen. Eigentlich wollte sie nur ein Einrad kaufen, doch sie und Peter Schlauch verstanden sich auf Anhieb so gut, dass er ihr einen Job anbot.

Schlauch veranstaltet in dem Trainingsraum auch Kindergeburtstage. In drei Stunden lernen bis zu 10 Kinder dort die ersten Zirkustricks, anschließend gibt es eine Vorstellung für die Eltern. „Wir balancieren da über Seile, drehen Teller, zeigen Hula-Hoop-Einlagen und machen Tricks mit den Pois auf Rola-Bolas“, erklärt er stolz. „Die Eltern sind immer ganz erstaunt, wie viel ihre Kinder in so kurzer Zeit gelernt haben“.

Kurse für Kinder

Einem Zwillingspaar widmet sich der Sozialarbeiter besonders. Die beiden Geschwister kamen als Frühchen zur Welt, sind koordinativ eingeschränkt – und begeisterte Zirkusfans. Die beiden sind inzwischen elf Jahre alt und seit über einem Jahr bei Schlauch im Training. Hula-Hoop-Bewegungen oder das Balancieren mit Tellern fiel ihnen anfangs sehr schwer, inzwischen sind sogar die Ärzte begeistert von den Fortschritten der Geschwister. Schlauch unterrichtet sie ehrenamtlich und unterstützt so deren Bewegungstherapie.

Außerdem gibt Schlauch Einradkurse an Schulen, bietet solche aber auch auf Nachfrage bei sich an. Nach den Sommerferien gibt es beispielsweise neue Kurse für Diabolo und Hula Hoop. Die Anfertigung der Hoops ist einer der Schwerpunkte des Geschäfts. In allen Farben und Größen bietet Peter Schlauch sie an. Auch den „Monster-Hoop“ im Schaufenster des Ladens mit einem Durchmesser von etwa 1,80 Meter hat er selbst gebaut.

Kreative Ideen und Konkurrenzkampf

Doch nicht alle seine Produkte verkauft er. Das „Unterwasser-Einrad“, mit dem man auch im Pool fahren kann zum Beispiel nicht. Auch eines mit drei Rädern übereinander hat der Zirkus-Freund bei sich im Laden. Das ist genauso unverkäuflich wie eines seiner Lieblingsstücke: ein kleines wendiges Fahrrad, das in alle Richtungen fährt.

Die Feuer-Pois, spezielle brennbare Knotenseile, sind ebenfalls aus seiner Hand. „Diese Möglichkeit, immer neue Ideen umzusetzen, macht großen Spaß“, sagt Schlauch. Doch für Ladengeschäfte sei es heute auch nicht immer leicht. „Wir leben davon, dass die Kunden bei uns das kriegen, was sie möchten“. Und Adriana ergänzt: „Service, wie wir ihn bieten, gibt es im Internet nicht. Und Peter Schlauch holt dann oft noch irgendwo was aus dem Lager und macht den Kunden damit glücklich.“ Zirkuszauber für Zuhause – sozusagen.

Der kleine Zirkusladen, Schillerstraße 70, 10627 Berlin, Öffnungszeiten: Mo. bis Sa. 11 bis 19 Uhr

Tags: Anca Specht
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